Freiheits- und Einheitsdenkmal  

Freiheits- und Einheitsdenkmal
 


Arbeitsmodel aus Gips, Höhe 83cm
 
 

INHALTLICHE UND KÜNSTLERISCHE KONZEPTION

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1989 war eine historische Wende, die nach den Erfahrungen der Zerstörung und des Leids in den Jahren von 1933 bis 1945 die schmerzhafte Teilung Deutschlands und Europas beendete. Diese drei Jahreszahlen 33, 45 und 89 bestimmen als Maße Flächen und Winkel der Plastik. Auf einem Sockel (5 x 6 x 3m) erheben sich, fächerförmig aufgestellt, drei viereckige Platten verschiedener Ausmaße und Beschaffenheit. Platte 1(5,28m x 6,25 m, Winkel 33°) besitzt eine leicht modellierte Oberfläche und ist mit Stacheldraht umwickelt. Platte 2 (6m x 7,5 m , Winkel 45°) hat eine zerklüftete Oberfläche und symbolisiert die totale Zerstörung. Die dritte Platte (12,5m x 7,12 m , Winkel 89°) ist eben, im oberen rechten Viertel ist der ehemalige Grenzverlauf des geteilten Deutschlands zu sehen. Auf dieser Fläche strömen Menschengruppen aufeinander zu, fallen einander in die Arme. Die Figuren sind lebensgroß, ihre Darstellung realitätsnah.
 


 

BAULICHE MASSNAHMEN, SOCKEL
 

Da die höchste Sockelquote des ehemaligen Kaiserdenkmals ca. 1,5 Meter über dem Straßenniveau liegt, wird zur Erreichung einer neuen ebenen Platzfläche das gesamte Platzniveau auf 1,50 Meter angehoben. Hierzu wird ein Stahlrost auf der verbliebenen Gewölbekonstruktion unter Ausnutzung der tragfähigen Auflagerpunkte aufgebracht. Die Trennung zwischen neuer Platte und historischer Gewölbekonstruktion wird durch eine sichtbare Fuge kenntlich gemacht. Die Stahlunterkonstruktion nimmt die Lasten des Denkmals, der Stufenanlage und des Platzbelages aus Naturstein auf. Einzelne verglaste Ausschnitte im neuen Platzbelag in Verbindung mit Sitzblöcken erlauben den entspannten, archäologischen Blick auf erhaltene kaiserzeitliche Bodenbeläge. Zu den Wasserseiten hin ist der Platz durch eine Glasgeländerkonstruktion als Absturzsicherung gefasst.
 

Entwurf: Martin Vorsmann, GHP-Architekten

Die ursprünglich symmetrisch-axiale Beziehung von Kaiserdenkmal und Stadtschloss wird aufgegeben. Das Denkmal und der stadträumliche Kontext treten nunmehr in einen neuen Dialog. Hieraus folgt die entsprechende gestalterische Teilung des Platzes, sowie die Stellung des Denkmals auf demselben. Zum Spree hin entsteht eine Esplanade mit Sitzstufen und daher hoher Verweilqualität. Auf der Seite zum ehemaligen Stadtschloss werden diese durch flache Stufen abgelöst. Dieses leicht pyramidale Bauwerk inszeniert das Denkmal wirksam und erlaubt dessen Betrachtung in dynamischer Weise auf dreidimensionalem Wege. Aus den Stufen heraus erhebt sich, axial verdreht, der Sockel für das Denkmal. Das großzügige obere Abschlussniveau der Treppenanlage ermöglicht schließlich eine nahe, auch haptische Erfahrung für den Betrachter. Nach Süden erhält der Platz eine neue, raumbildende und schützende Kante. Sie wird durch ein riegelartiges Bauwerk gebildet. Die Straßenseite verhält sich geschlossen, zum Platz öffnet sich der Baukörper, der Übergang zum Platz erfolgt gestaffelt durch eine rahmende Kolonnade. Das Bauwerk (in Teilen unterkellert) hält Platz für Ausstellungen, Information und Gastronomie vor.
 


 

BEABSICHTIGTE WIRKUNG

Mit schlichten Ausdrucksmitteln soll der geschichtliche Ablauf sichtbar und die inhaltliche Aussage nachvollziehbar sein. Das zu errichtende Monument soll die geschichtlichen Ereignisse verdeutlichen, die der Betrachter auch ohne Vorkenntnisse verstehen kann: die Trias von Zerstörung, Teilung und Wiedervereinigung.


 

MATERIAL, OBERFLÄCHE

Die verwendeten Materialien sind: Plastik aus Bronze mit Stahl als Unterkonstruktion. Platzbelag, Fassadenflächen, Stufenanlagen: heller Naturstein, z.B. Travertin. Geländer: Glas


 

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